Leben

See you later.

„Alleinerziehende“ werden oft bedauert. Zu Recht, wenn sie sich wirklich fast ausschließlich allein um die lieben Kleinen kümmern müssen. Und auch zu Recht, wenn sie noch mit Kränkungen umgehen müssen, mit einem zänkischen und intriganten Expartner oder irgendwelchen Anwälten, Ämtern oder Richtern.

WENN es aber einigermaßen gut geregelt ist, das „normale“ Leben wieder aufgenommen werden kann, dann muss auch mal gesagt werden: Wir „Alleinerziehende“ haben mehr freie Zeit als andere Mütter innerhalb einer familiären Einbindung.

Auch wenn manchmal „freie Zeit“ nur bedeutet „verantwortungslose Zeit“. Die Kinder sind beim Papa. Und ich muss nur MICH zur Arbeit bringen, nur MICH „abfüttern“ und nur dafür sorgen, dass ICH pünktlich schlafen gehe, um am nächsten Morgen fit zu sein. Derweil interessiert es kein Schwein, wie meine Wohnung aussieht, ob der Wäscheberg sich im Bad oder im Schlafzimmer oder mitten im Flur türmt: So lange es MICH nicht stört, stört es niemanden. Das kann sehr entlastend sein, allein das.

Und wenn dann tatsächlich auch noch wirklich freie Zeit hinzukommt, wie das 14tägliche Wochenende ohne Kinder, ist das mehr, als Familienmütter sich erträumen würden.

Ich will nichts beschönigen. Es ist schwierig, die Kinder leiden manchmal, wünschen sich eben genau diese Familienkonstellation wieder, die man mit der Trennung aufgegeben hat. In einsamen Momenten vermisse ich die Kinder schmerzlich bis hin zur Übelkeit (allerdings wird das mit der Zeit besser). Man muss mit dem Ex kommunizieren, immer wieder. Ich hab schon oft gedacht, dass ich mit meinem Noch-Mann mehr SMS schreibe und öfter telefoniere als mit W., den ich seit einem halben Jahr zunehmend mag. Auch wenn wir beide gut gefüllte Kleiderschränke für die Mäuse haben: Die Schlepperei der wichtigsten Kuscheltiere, des Nintendos und der Schulsachen ist oft anstrengend. Es ist eine logistische Meisterleistung, alle Termine (die geregelten und vor allem die ausnahmsweisen) im Kopf zu behalten.  Und das Allerschwierigste ist, im Alltagschaos und im Stress und Streit mit den Kindern keine Schuldgefühle zu entwickeln, nicht in Konkurrenzdenken zu geraten.  Die negativen Gefühle der Kinder auszuhalten.

Und doch. Wenn ich mich mit Freundinnen in „normalen“ Familienkonstellationen treffe, wird viel geklagt. Über den Haushalt, über den Ehemann, den ganzen Stress, den Zeitmangel. Und manchmal sitze ICH dann da und bedauere meine Freundinnen.

Vielleicht ist es ketzerisch, es hier so zu schreiben. Aber wenn ich mein „freies“ Wochenende habe, dann genieße ich es inzwischen. Ich mache, was ICH will. Es hat gedauert, das herauszufinden, und es gibt immer noch manchmal Stunden, in denen ich die Zeit irgendwie unmotiviert totschlage und hinterher ein schlechtes Gewissen habe. Das kommt, weil bislang immer alles komplett durchstrukturiert war, selbst das Wochenende. Wenn man dann auf einmal allein ist, sogar ohne Kinder, muss man erstmal wieder lernen, seine Zeit so aufzuteilen, wie man es selbst mag. Das muss man nicht nur, das darf man sogar! Ich habe ein Fernstudium angefangen, welches aufgrund der zarten neuen Liebe und meines politischen Engagements nun eher wieder ruht. Na und?

Ich genieße die Ruhe. Den geregelten Herzschlag (und wenn der Blutdruck steigt, dann hat es einen schönen Grund ;-)). Das Ausschlafen (bis maximal neun, danach dreht allerdings meine innere Uhr durch). Das Essen, ohne hinterher fegen zu müssen. Überhaupt: Das Essen! Kein Genörgel! Ich kann kochen, was ich gern mag, jenseits von Pfannkuchen, Fischstäbchen und Nudeln mit Tomatensauce.

Und wenn ich die Kinder nach so einem Wochenende am Montag wiedersehe, dann bin ich voller Vorfreude und voller Vorsätze („diese Woche schreist du mal nicht herum, wenn die Kleine den Sand aus ihren Gummistiefeln mitten im frisch gesaugten Hausflur ausschüttet“ – hoho ;-)).

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich glücklich bin, würde ich sagen: Trotz des größeren logistischen Aufwandes, den langen Arbeitstagen und so manchen traurigen Momenten JA! Ja und ja und ja!!!

Die Trennung war die beste Entscheidung, die ich für mich treffen konnte.

Soeben wurde die Große von ihrem Papa abgeholt (die Kleine ist schon beim Kindermädchen, das er engagiert hat, um an zwei Tagen zwei Stunden zu überbrücken, bis er von der Arbeit kommt). Und ich bin allein, schreibe hier diesen Blog (der mir bitteschön demnächst helfen soll, mit so mancher Überforderung fertig zu werden), freue mich über Verantwortungslosigkeit und auf einen politischen Abend. Morgen gehe ich arbeiten, räume die Wohnung auf, wasche Wäsche. Am Freitag gehe ich arbeiten, gucke irgendwo das Deutschland-Spiel und gehe dann ins Bett. Am Samstag Einarbeiten in ein Bildbearbeitungsprogramm, ich will einen Flyer erstellen (neue Welten!). Samstag Abend schlafen die Süßen bei mir, der Papa geht auf eine Party. Und Sonntag nehme ich mir Zeit für Sport, herumlungern, lesen.

See you later. Bis mindestens Samstag Abend gibt es hier keine Wahnsinns-Alltags-Kindergeschichten zu lesen. Ich hab frei. 😉

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