Leben

Vorsätze!?

Geht’s euch auch so, dass ihr dieses seltsame Datum 31.12.irgendwas zum Anlass nehmt, um zurückzuschauen und vor allem sämtliche ideale Zustände (in punkte Fitness, Körpergewicht, Beziehung, Soziales i.w.S., Beruf usw.) auf das neue Jahr projeziert?
Von 2013 auf 2014 habe ich das boykottiert. Ich dachte mir, was für ein Schmarrn, Vorsätze kann ich zu jedem Datum fassen, zu jedem 01. des Monats beispielsweise, oder quartalsweise oder zu jedem dritten Samstag im Monat. Warum also immer zum Ende eines Kalenderjahres FÜR das kommende Jahr? Da werden dann Verträge mit Fitnessstudios geschlossen, obwohl man eigentlich weiß, dass man nur zweieinhalb Monate hingeht und danach neuneinhalb Monate mit schlechtem Gewissen nur noch zahlt. Da werden angebrochene Zigarettenschachteln weggeworfen, da werden Diätbücher herausgekramt, Gymnastik-DVDs und die ollen Sportklamotten, die in den letzten Monaten ein trauriges Dasein in der hintersten Ecke des Kleiderschrankes fristeten. Bei Endomondo kann man einer Sport-Challenge beitreten, die „New Year, new You“ heißt. Da wird von 0 bis 0:05 Uhr am Neujahrsmorgen geküsst und geknutscht, und sich daran erinnert, dass man zusammengehört, selbst wenn man in der letzten Zeit eher getrennte Wege gegangen ist.
Oder ist es ganz anders?
Im letzten Jahr dachte ich noch, warum nicht immer sofort anfangen? Warum bis zu diesem magischen Datum warten, das ganz sicher nicht über Nacht ein fettes Plus an Disziplin und Durchhaltevermögen bringt… Wo es am 31.12. an „positiven“ Eigenschaften und Charakterzügen mangelt!, ist am 01.01 ganz sicher nicht einfach so mehr davon da!
Und trotzdem scheint das neue Jahr regelmäßig, Jahr für Jahr, Hoffnungsträger zu sein, dafür, dass sich endlich alles zum Besseren wendet. Als wäre man um 0:01 Uhr ein anderer Mensch, ein weißes Blatt Papier, bereit, vollkommen neu beschrieben zu werden.

Warum ist das so? Brauchen wir Rituale so sehr? Oder sind diese Vorsätze kleine Anker, die uns im Hochseetreiben des Alltags daran erinnern sollen, auf welchem Weg wir eigentlich waren? Und die letzten Tage im alten Jahr sind dann dafür da, um noch ein paar Mal „sündigen“ zu dürfen, ohne dass unser Über-Ich Alarm schlägt? Schließlich gelten die Vorsätze ja erst ab dem 01. Januar!
Ist das nicht Selbstbetrug? Wenn ich einen „Makel“ an mir feststelle, in welcher Hinsicht auch immer, ist es nicht viel sinnvoller, SOFORT damit zu beginnen, ihn zu beseitigen? Wenn ich mich „zu dick“ fühle, macht es dann wirklich noch Sinn, sich „nur noch ein letztes Mal“ am Silvesterabend mit einer Unmenge Alkohol und viel fettem Essen für die Vorsätze zu belohnen? Wenn mir am 23. November auffällt, dass meine Bewegungsfrequenz im Herbst stark abnimmt, ist es dann nicht eigentlich viel besser, dem SOFORT entgegenzuwirken, als bis zum 01.01. zu warten, wo wir uns dann verkatert und übermüdet auf die Joggingstrecke begeben, die Lust sofort wieder verlieren und uns damit das Leben nur noch schwerer machen?

Ich frag ja nur so.

Ist ja nicht so, dass ich keine Vorsätze hätte.
Ich will mich im neuen Jahr weitgehend fleischfrei ernähren. Damit habe ich schon angefangen in den letzten Tagen – allerdings muss ich erstmal meine ganzen fleischhaltigen Vorräte aufessen, denn würde ich es wegwerfen, wäre das Tier ja komplett vergeblich gestorben. Wenn alles weg ist (es gibt nicht mehr viel, die zwei kleinen Gulaschdosen werde ich verschenken), will ich privat nur noch vegetarisch, vielleicht sogar mal vegan kochen. In Restaurants will ich nach Möglichkeit vegetarisch essen. Bin ich zu Besuch und es gibt Fleisch, esse ich aber auch dieses.
Außerdem habe ich geplant, mich mehr zu bewegen. In der letzten Woche sah das so aus, dass ich jeden Tag mindestens 15 Minuten Yoga machte, plus Fußwege statt das Auto zu benutzen. Am liebsten möchte ich wieder so trainieren, dass ich zehn Kilometer resp. eine Stunde am Stück durchlaufen kann. Das ist ein Minimalziel nach dem Halbmarathon in 2011, aber ich muss wirklich wieder ganz klein beginnen. Häufiger das Fahrrad benutzen.
Ich will mehr auf meine Innere Stimme, mein inneres Kind hören und weniger auf Beifall und Anerkennung anderer zu hoffen.
Mit den Kindern achtsamer sein. Weniger schimpfen.
Besser haushalten und mich besser mit wenigem zufrieden geben. Freundschaften pflegen. Humor üben.

Gelassener sein. Mehr mitfließen.

Nichts davon kann ich erst am 01.01. beginnen, stattdessen mit allem sofort. Also los! 🙂 Lasst uns unsere Vorsätze bereits zwei Tage üben. Und dann werden sie besiegeln. In einem kleinen Ritual, nachts um 0 Uhr, mit uns selber.

Ich bin auf eure Vorsätze gespannt!

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