Essen

Rückschau auf 30 Tage „Vegan for fit“

So, Leute, das wird lang. Wer aber Lust und Zeit hat: Hier meine Rückschau auf 30 Tage Vegan-for-fit-Challenge!

Fazit und Rückschau, Regel-Check

Ich gehe morgen früh noch einmal auf die Waage, aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich in den 30 Tagen rund 4 Kilo abgenommen habe. Das ist eine schöne, gesunde Zahl, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Körperlich fühle ich mich gut. Ich fühlte mich aber vorher bereits relativ gesund, litt unter keinen Allergien oder Hauterkrankungen, deswegen sind die Veränderungen nicht so spektakulär. Allerdings fällt mir auf, dass unangenehmer Körpergeruch (wahrnehmbar vorher meist abends) gänzlich verschwunden ist. Das finde ich wiederum ziemlich eindrucksvoll.
Mit den Rezepten war ich meist ganz zufrieden, bin fast immer satt geworden, es kam schon vor, dass mein Magen kurz vor der nächsten Mahlzeit knurrte, aber ich konnte diesen Hunger gut aushalten, er führte auch während eines mittäglichen Einkaufs nicht wie sonst zu Impulskäufen. Ich habe einige spannende neue Geschmäcker kennengelernt und war davon meistens positiv überrascht, was wohl auch „danach“ sicher dazu führen wird, dass ich beim Ausprobieren von Rezepten (noch) mutiger werde: Netter Nebeneffekt.
Eine dieser Überraschungen: Tofu! Hatte ich vorher noch nie gegessen und immer etwas müde belächelt. Aber wie wandlungsfähig das leichenfarbene Zeug ist, habe ich in den letzten Wochen gelernt! Bin schwer begeistert. Bei der richtigen Zubereitung hat’s nichts mehr von dem farb- und geschmacklosen Etwas – im Gegenteil!
Der Aufwand dieser Challenge ist groß. Da gibt es nichts anderes zu sagen. W. meinte einmal: „Ich weiß, warum du abnimmst. Du rödelst ja nur noch in der Küche herum!“ 😉 Da ist was Wahres dran. Die Einkäufe müssen gut durchorganisiert sein, ohne Einkaufszettel geht gar nichts. Da ich ja für die Kinder zusätzlich normal gekocht habe, musste ich manchmal in drei Läden huschen. Die Küche ist nach fast jeder Mahlzeit ein kleines Schlachtfeld, ohne Spülmaschine geht da schonmal gar nix. Und BesitzerInnen eines Thermomixes dürfen sich glücklich schätzen, der vereinfacht sicher vieles.
Teuer war die Challenge vor allem zu Beginn, weil man unglaublich viele Lebensmittel braucht, von denen man vorher allenfalls mal was gehört hatte: Agavendicksaft, Quinoa, Amaranth, Mandelmus, Matcha… Inzwischen hat sich das eingependelt. Und obwohl ich momentan fast alles im Bioladen kaufe, habe ich den Eindruck, es ist inzwischen nicht mehr teurer als vorher, vielleicht auch, weil das ganze Schnuckerzeugs und der Alkohol wegfallen. Vielleicht aber auch, weil man doch unterm Strich hauptsächlich Gemüse isst, was soooo teuer nicht ist.
Was mich wirklich nervt, ist die Ausschließlichkeit der Rezepte. Man kocht nur nach den Hildmann-Büchern – und als Newbie wollte ich nichts anderes ausprobieren, weil ich mich ja an die Regeln halten wollte. Was ich wirklich gar nicht verstehe, ist, wie manche Leute bereits seit einem halben Jahr oder länger nur nach denselben Rezepten kochen. Das wird mir definitiv zu eintönig. Auch ist der saisonale Bezug oft gar nicht hergestellt. Es gibt en masse Rezepte mit Zucchini, Auberginen, Tomaten. Lecker, aber im Winter eigentlich nicht an der Zeit. Ich habe außerdem inzwischen richtig Appetit auf etwas anderes, gewürzteres, scharfes (indisch! 😉) Das vermisse ich in den Büchern dann doch ein wenig.

Regel-Check:

[Vegan]. Bis auf eine Hühnersuppe während eines grippalen Infektes, einem Streifen Gouda sowie einem gedankenlosem Abschlecken eines Joghurtlöffels der Kinder habe ich mich in den 30 Tagen konsequent vegan ernährt – und das von jetzt auf gleich. Und sogar im Restaurant (als Tipp: Die indische Küche bietet sich da wunderbar an… 😉)
Ich bin erstaunt, wie wenig ich an Fleisch denke oder es vermisse, eigentlich gar nicht. Bei Patienten duftet es manchmal verführerisch nach gebratenem Schnitzel, aber das nehme ich wahr, genieße den Duft, und wenn ich wieder weg bin, ist es auch schon vergessen. Wenn W. Fleisch isst, macht mir das nichts aus, ich habe kein Bedürfnis, von ihm zu probieren. Ich kann M. auch weiterhin ihr Mortadella- oder Schinkenmett-Brot schmieren, es lässt mich tatsächlich völlig kalt.
An Käse denke ich schon eher mal, aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich auch diesen sehr viel weniger vermisst als erwartet. Das liegt sicher auch an den teilweise unglaublich leckeren Rezepten aus den Büchern, die so Genuss genug für sich waren, dass der Käse dazu wirklich nicht fehlte. Als ich heute Morgen das erste Stück Gouda seit einem Monat naschte, schmeckte es gar nicht soooo phänomenal gut, wie ich es in Erinnerung hatte.
Sahne, Milch und Joghurt habe ich überhaupt nicht vermisst. Der Matcha-Latte schmeckt mit Hafermilch ganz ausgezeichnet. Unterwegs gibt es fast überall auch Sojamilch. Auch ist Sojade (Sojajoghurt) in meinen Augen dem Joghurt völlig gleichwertig. Und heute habe ich zum ersten mal Mandelmilch probiert, die schmeckt ja so lecker, dass man sie getrost als ganz besonderes Getränk auch pur trinken kann. Auf die Idee würde ich bei Milch nicht kommen! Als Sahneersatz verwendet Hildmann in seinen Büchern Mandelmus mit Wasser vermischt, ich habe manchmal auch Sojasahne genommen, geht genauso gut. Süßspeisen habe ich mit Sojasahne allerdings noch nicht ausprobiert.

[Kein Kaffee]. Auf Kaffee zu verzichten war für mich überhaupt kein Problem. Ich habe auch vor der Challenge im Durchschnitt nur eine Tasse am Tag getrunken: In der Woche habe ich es morgens meistens gar nicht geschafft, sie auszutrinken, ehe der Kaffee kalt wurde, selten gab es am Nachmittag noch eine Tasse. Am Wochenende trank ich meist pro Tag zwei bis drei Tassen.
Jetzt habe ich 30 Tage (oder sogar noch länger) bis auf etwas Kaffee als Zutat in W.s Geburtstagskuchen keinen gehabt. Dafür gab es aber Matcha-Tee, eine echte Neuentdeckung. Das Zeug ist zwar schweineteuer (ich verwende eine Marke, die rund 18€ auf 30 g kostet, das ergibt dann etwa 15 bis 20 Gläser Matchalatte), aber wenn ich einen teuren Coffee-to-go im Starbucks oder ähnlichen Cafés tränke, würde ich dafür immer noch locker das drei- bis vierfache hinlegen. So gesehen…
Der Matcha hat wirklich den wunderbaren Effekt, über mehrere Stunden wach zu halten. Mein Mittagstief vor allem während der Arbeitszeit war deutlich reduziert! Auch am Abend hat Matcha gut geholfen, wenn ich noch etwas zu tun hatte oder länger fit bleiben wollte. Außerdem bilde ich mir ein, dass der Tee während meiner Erkältung eine ähnliche Wirkung hatte wie ein Tütchen Aspirin complex – nur mit weniger Chemie.
Der normale Grüntee wiederum tut mir nicht ganz so gut. An den Geschmack habe ich mich zwar gewöhnt, trinke ihn auch ungesüßt, aber es heißt, dass er kühlend wirkt – und das spürte ich bei höherem Konsum tatsächlich an meinen Händen, die, sonst fast immer „ofenwarm“, dann schnell kalt wurden. Zum Leidwesen der Patienten… Während der Arbeit ist der Grüntee also eher nicht geeignet. Da besser Ingwertee.

[Kein Alkohol]. Diese Regel einzuhalten ist mir deutlich schwerer gefallen. An 7/30 Tagen habe ich Alkohol getrunken (inklusive dem Glas Wein, das ich gerade „zur Feier des Tages“ genieße). „Normal“ war für mich bisher fast täglicher Alkoholkonsum (das typische Feierabendgläschen Wein oder Bier). Ich glaube nicht, dass ich vorher süchtig war, denn Entzugserscheinungen hatte ich nicht und letztlich ist der Verzicht an 23 Tagen ja auch gelungen (muss auch mal positiv angemerkt werden). Interessant war dabei aber, mal wahrzunehmen, dass dieses Feierabendgläschen schon zu einer Gewohnheit oder Konditionierung geworden war, mit der ich Entspannung und „Freizeit“ assoziierte. Das darf ja durchaus mal hinterfragt werden… Weiter ist mir aufgefallen, dass an F.s  Geburtstag, an dem es abends etwas mehr wurde als nur ein Gläschen, das „Stopp-Gefühl“ sehr viel schneller eingetreten war als vorher. Der Körper hatte sich vor der Challenge offenbar doch an gewisse Mengen gewöhnt. Auch das gibt mir ein wenig zu denken. Was ich daraus mitnehme? Auf jeden Fall einen sehr viel bewussteren Umgang mit dem „Feierabendgläschen“. Als „Geschafft!“-Ritual tut es eigentlich auch ein schöner Tee. 😉

[Kein Zucker]. Zustand vor der Challenge: Vor allem während der Arbeit häufige Zwischendurch-Naschereien: Kekse, Schokoriegel. Oft Heißhunger darauf, dann habe ich auch mal locker vier bis fünf Duplos hintereinander genascht.
Während der Challenge wurde nur mit Agavendicksaft, Apfelsüße oder Reissirup gesüßt, Kristallzucker ist „verboten“. Viele Fitties in den einschlägigen „Vegan-For-Fit“-Gruppen schieben ihre anfängliche Müdigkeit und heftige Kopfschmerzen auf den Zuckerentzug. Das Internet bestätigt die Symptome. Bei mir war es nicht ganz so extrem, Kopfschmerzen hatte ich nicht, war aber an den ersten Tagen irgendwie ab- und niedergeschlagen.
Inkonsequent war ich zweimal bei Geburtstagskuchen von M. und W., die zwar vegan, aber mit Rohrohrzucker waren.
Ich weiß nicht, welcher Effekt objektiv nachweisbar wäre, aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Heißhungerattacken verschwunden sind. Abgesehen davon glaube ich, dass mir ein Duplo inzwischen geschmacklich viel zu süß wäre. Aber erstaunlicherweise vermisse ich auch das nicht. Ich denke, auf Zucker in meiner Küche werde ich weiterhin größtenteils verzichten und nur auswärts wenige Ausnahmen machen.

[Kein Weißmehl, bzw. kein Weizenmehl]. Während der Challenge erlaubt waren nur Vollkornprodukte in Maßen, auch auf stärkehaltige Nahrungsmittel (Kartoffeln!) sollte weitgehend verzichtet werden. Das heißt natürlich auch: Keine Pasta. Begründung im Buch oder auf Nachfrage, dazu habe ich jetzt keine Lust.
Es gab Tage, an denen fand ich das ganz schön hart. Trotzdem habe ich nur zweimal gepatzt. Einmal gab es weißen Reis, den Rest vom Kinderessen, den ich nicht entsorgen wollte und mir mittags mit anderen Resten in der Pfanne anbriet. Als ich dann in der FB-Gruppe virtuelle Schelte bekam, dachte ich schon so bei mir „sind die eigentlich alle noch ganz dicht?“ Aber na gut, Regeln sind Regeln (und zum Brechen da! 😉). Einmal gab es Nudeln, dazu später mehr.
Insgesamt leuchtet mir der Verzicht auf Weißmehl aber ein, zumindest wenn man abnehmen möchte. Ich denke, nach der Challenge werde ich auch hier bewusster essen. Für die Kinder gab es heute zum Beispiel schon Vollkornnudeln. Haben sie gar nichts zu gesagt und jeweils zwei Teller weggeschaufelt.

[Keine Kohlenhydrate nach 16 Uhr]. Da die Rezepte nach Stufen aufgeteilt waren und die Menge bei den kohlenhydratarmen Gerichten entsprechend erhöht war, war das eigentlich in Ordnung. Ist schon logisch, dass man von Zucchinispaghetti mengenmäßig sehr viel mehr essen kann als von normalen Spaghetti, obwohl man dann immer noch weniger Kalorien zu sich nimmt… Und es gab auch ein paar geniale Überraschungen, zum Beispiel das „Low-Carb-Sushi“ mit geraspelten Pastinaken als Reisersatz. Da kann man dann auch wirklich fast hemmungslos zuschlagen 😉
Problematisch wurde diese Regel eigentlich nur bei schlechter Planung. So gab es einmal eine Falafeltasche nach einer Sitzung im Rathaus, einmal Sushi (vegan, aber mit Reis!) nach einem langen Arbeitstag und vor einem abendlichen Termin, und einmal habe ich mir ohne nachzudenken den genialen „Wohnzimmer-Salat“ im „Wohnzimmer“ bestellt, auch hier: zwar vegan, aber mit gebratenen Maccharoni.

[Nichts mehr essen nach 19 Uhr]. Grmpf. In meinem Fall nicht immer alltasgtauglich, habe aber versucht, mich weitgehend daran zu halten. Hierfür war gute Planung absolut unerlässlich. Diese Regel habe ich mehrmals gebrochen, oft aus Zeitmangel, manchmal aus „gesellschaftlichen“ Gründen (man geht nicht vor 19 Uhr essen und man lädt in der Regel auch keine Freunde vor 19 Uhr zum Essen ein…). Ich denke, diese Regel macht Sinn, wenn man abnehmen will. Aber das will man ja wohl, wenn man die Challenge macht! 😉

[Sport! Möglichst täglich]. Das Hildmann-Stretching-Programm habe ich nicht gemacht. Dafür fast täglich mindestens 15 Minuten Yoga, bzw. ein paar spezielle Übungen, die ich täglich in der Dauer steigerte. Außerdem war ich insgesamt (leider nur) drei oder vier Mal laufen, mehr habe ich zeitlich nicht geschafft. In den letzten Tagen war ich stark erkältet, da lief sportlich gar nichts.
Definitiv verbesserungsbedürftig.

Fazit:
Da ich mein Wunschgewicht noch nicht ganz erreicht habe, werde ich weitermachen, allerdings in einer etwas milderen Form. Ich werde versuchen, die Regeln einzuhalten, aber dabei auch Hildmannn-fremde Rezepte „challengetauglich“ zubereiten. Aus den offiziellen Facebook-Gruppen bin ich ausgetreten, da wird mir zuviel nach Gusto zensiert, und ich brauche weder einen Guru samt folgsamer Jüngerschaft noch generell veganen Dogmatismus. Sicher ist auch an einigen moralischen Aspekten des Veganismus was dran, ich bin aber nicht von allem so uneingeschränkt und gegenargumentationslos überzeugt, dass ich das jetzt als meine neue Wahrheit anerkennen könnte. Freunde, ihr braucht also keine Sorge haben, ich werde nicht versuchen, euch zu missionieren

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