Leben

Gedanken zum Tod.

Heute schreibe ich seit langem mal wieder einen Blogtext.
Gestern war der 24. Todestag meines Vaters, heute erfahre ich vom viel zu frühen Tod eines jungen Mannes, der, ähnlich wie mein Vater damals, eine Frau und ein kleines Kind hinterlässt. Und wieder bin ich angerührt und bewegt, auch wenn ich nur Leute kenne, die ihn kannten.
Die Prioritäten des Lebens werden angesichts solcher Nachrichten verschoben…

Noch überlege ich, der Ehefrau, die ich ebenfalls nur flüchtig kannte, diesen Text zu schicken. Er hat mir damals sehr geholfen, mit dem Tod meines Vaters zurecht zu kommen. Aber dafür ist es bei ihr vielleicht noch zu früh…

Es ist ein Monolog aus dem Theaterstück „Sommer“ von Edward Bond:

Marthe: „Ein Leben ohne Tod – wenn es das gäbe. Wie könntest du etwas schön finden, was du ewig anschaust? Es würde dir über. Wozu einander lieben, wenn es ewig dauerte? Wenn ihr euch tausendmal verziehen hättet, bekämt ihr das Verzeihen satt. Ihr wärt es müde, die Leute auszuwechseln, die ihr liebt. Wenn du in Ewigkeit weiteressen könntest, wozu lange auf den Geschmack achten? Du könntest bei der nächsten Mahlzeit hinschmecken. Wenn du über einen Fehler geweint hättest – über den nächsten nicht mehr. Du hättest die Ewigkeit, ihn wiedergutzumachen. Bald würden deine Augen voller Schlaf. Du würdest taub. Du hörtest keine Stimme mehr, weil sie dir die Mühe einer Antwort macht. Wozu horchen? Das Wissen wäre nutzlos, ob es ein Spatz oder ein Wasserfall war. Im ewigen Leben gäbe es keine Zukunft. Du säßest am Boden und würdest zu Stein. Staub türmte sich auf, um dich zu begraben. Wenn wir nicht sterben könnten, müssten wir wie die Toten leben. Ohne den Tod gibt es kein Leben. Keine Schönheit, keine Liebe und kein Glück. Keiner kann länger als ein paar Stunden lachen oder ein paar Tage weinen. Niemand könnte mehr als ein Leben aushalten. Nur die Hölle könnte ewig sein. Manchmal ist das Leben grausam und der Tod kommt plötzlich – das ist der Preis dafür, dass wir nicht Steine sind. Laß dich nicht vom Blitz erschlagen und den Wahnsinnigen nicht dein Haus anzünden. Ergib dich nicht deinen Feinden und übergehe keinen in der Not. Kämpfe. Aber am Ende ist der Tod ein Freund, der ein Geschenk mitbringt: Leben. Nicht dir, aber den anderen. Ich sterbe, damit du leben kannst. (…)“

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